AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 8. Mai und lehnt deutsche "Schuldkultur" ab
Cathrin BlümelAfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 8. Mai und lehnt deutsche "Schuldkultur" ab
Im Mai 2026 hielt Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, eine umstrittene Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Zwar erkannte er das Ende des Regimes an, kritisierte jedoch scharf die deutsche Nachkriegsgeschichtsschreibung als eine „Schuldkultur“, die überzogen sei.
Tillschneider begann mit der Anerkennung der Befreiung, deutete die totale militärische Niederlage Deutschlands jedoch als Verlust „weiter kultureller Landschaften“. Er argumentierte, die Nation habe seit 1945 eine „absurde Schuldkultur“ und eine „eingebildete Kollektivschuld“ entwickelt. Seiner Ansicht nach hätten sich die Deutschen im Nachhinein nur aus Bequemlichkeit auf die Seite der Sieger gestellt, um sich nicht mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen zu müssen.
Die historische Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985, in der er den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ bezeichnete, bezeichnete Tillschneider als „geistige Kapitulation“. Stattdessen forderte er eine Rückkehr zu dem, was er eine „normale deutsche Identität“ nannte. Unter Rückgriff auf Franz Josef Strauß lehnte er die Vorstellung einer „ewigen Vergangenheitsbewältigung als dauernde Buße“ ab.
Der AfD-Politiker ging noch weiter und behauptete, die Vision seiner Partei führe nicht in eine „stolze Zukunft“, sondern riskiere, Deutschland in „geistige Isolation“ zurückzuwerfen. Seine Äußerungen sorgten für Aufsehen, da sie sich deutlich von der vorherrschenden Deutung der deutschen Nachkriegsaufarbeitung der NS-Vergangenheit abhoben.
Tillschneiders Rede stellte die lang etablierten Ansichten zur historischen Verantwortung Deutschlands infrage. Indem er die „Schuldkultur“ ablehnte und etablierte Narrative hinterfragte, positionierte er die Haltung der AfD als direkten Gegenentwurf zum dominierenden deutschen Nachkriegsdiskurs. Seine Aussagen befeuerten erneut die Debatte darüber, wie Deutschland an seine Vergangenheit erinnern und mit ihr umgehen soll.






