Gedenkfeier in Halle eskaliert: Streit um russische Symbole und antifaschistisches Erbe
Aysel MitschkeGedenkfeier in Halle eskaliert: Streit um russische Symbole und antifaschistisches Erbe
Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) vom NS-Regime eskaliert in politischen Streit
Die diesjährige Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) von der nationalsozialistischen Herrschaft war diese Woche von angespannter Stimmung geprägt. Zwar würdigte die Feier die Leistungen der Sowjetarmee und der Alliierten, doch wurde sie von politischen Kontroversen überschattet. Für Aufsehen sorgte insbesondere eine lokale Gruppe, die während der Gedenkfeier russische Flaggen und Symbole zeigte.
Das Mahnmal auf dem Südfriedhof in Halle erinnert an 977 sowjetische Zivilisten – keine Soldaten –, die neben den Gefallenen der Roten Armee im Kampf gegen das NS-Regime geehrt werden. Gleichzeitig wurde auch der Beitrag der US-Armee bei der Befreiung der Stadt gewürdigt. Stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Judith Marquardt niederlegte im Namen von Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt einen Kranz, während andere Teilnehmer Blumen an einer Gedenkstätte für deutsche Widerstandskämpfer niederlegten.
In den Reden wurde der anhaltende Kampf gegen Faschismus betont. Lukas Wanke vom VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) unterstrich, dass das Erbe der Roten Armee nicht als Rechtfertigung für heutige Ungerechtigkeiten instrumentalisiert werden dürfe. Zudem mahnte er, dass der Kampf gegen rechtsextreme Ideologien noch lange nicht beendet sei. Eric Stehr von der Linken warnte davor, dass Neutralität angesichts von Faschismus – ob historisch oder aktuell – keine Option sei.
Die Veranstaltung nahm eine polarisierende Wendung, als Mitglieder der „Halle-Bewegung“ russische Flaggen präsentierten. Kritiker warfen der Gruppe vor, sich mit der rechtspopulistischen AfD zu verbünden und damit indirekt den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Ihre Anwesenheit löste unter den anderen Teilnehmern Empörung aus.
Die Gedenkfeier endete mit tiefen Gräben darüber, wie Geschichte erinnert und aktuelle Konflikte bewertet werden sollen. Während die Veranstaltung den antifaschistischen Widerstand in den Mittelpunkt stellte, prallten diese Botschaften mit den politischen Aussagen einiger Anwesender aufeinander. Nun stehen Stadtverantwortliche und Organisatoren vor der Frage, wie sie mit solchen Spannungen bei künftigen Gedenkveranstaltungen umgehen sollen.






