07 May 2026, 22:23

Historiker Möller warnt vor gefährlichen Geschichtsvergleichen in der Politik

Altes Buch mit dem Titel "Beobachtungen Historico-Politica in Instrumentum Pacis" aufgeschlagen auf einer Seite mit schwarzer Tinte und einem dekorativen Rahmen.

Historiker Möller warnt vor gefährlichen Geschichtsvergleichen in der Politik

Historiker Horst Möller warnt vor voreiligen Vergleichen zwischen historischen und aktuellen politischen Krisen. Er argumentiert, dass oberflächliche Parallelen ohne vollständigen historischen Kontext das Verständnis verzerren können. Seine Äußerungen kommen zu einer Zeit, in der deutsche Medien und öffentliche Debatten zunehmend auf die Weimarer Republik und die NS-Zeit als Bezugspunkte in modernen Diskussionen zurückgreifen.

Möller betont die grundlegenden Unterschiede zwischen der Weimarer Republik und der Bundesrepublik Deutschland. Während die Weimarer Republik nach nur zwölf Jahren der Umbrüche zusammenbrach, hat sich die Bundesrepublik über 76 Jahre behauptet – trotz eines allmählichen Rückgangs der Unterstützung für die politischen Mitteparteien. Er unterstreicht, dass die Weimarer Republik nicht von vornherein anfälliger war als andere: Viele europäische Demokratien kämpften nach dem Ersten Weltkrieg um ihr Überleben, und es gab keinen spezifisch „deutschen Weg“ in die Diktatur.

Gleichzeitig warnt Möller davor, einzelne historische Momente isoliert für Vergleiche heranzuziehen. Stattdessen bestehe die Aufgabe von Historikern darin, Ereignisse in ihrem gesamten Zusammenhang zu analysieren. So stuft er die Alternative für Deutschland (AfD) etwa nicht pauschal als „faschistische“ Partei ein – gemessen an historischen Definitionen –, räumt aber ihre umstrittene Rolle in der heutigen Politik ein.

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Das Problem beschränkt sich nicht auf akademische Debatten. Deutsche Medien greifen häufig zu provokanten historischen Vergleichen: So zeigte das Magazin Stern 2016 auf seinem Titelbild Donald Trump mit Hitlergruß unter der Schlagzeile „Sein Kampf“ – eine Anspielung auf Hitlers „Mein Kampf“. Auch der Spiegel inszenierte Trump in extremen Bildern, etwa als Komet, der auf die Erde stürzt, oder mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in der Hand.

Auch in der öffentlichen Diskussion werden solche Vergleiche oft bemüht: Gegner der Corona-Maßnahmen wurden mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl gleichgesetzt, Wladimir Putin häufig mit Hitler verglichen. Selbst die deutsche Regierung sah sich mit Vorwürfen konfrontiert, sie ähnele dem autoritären SED-Regime der DDR.

Möllers Haltung macht die Gefahren einer vereinfachenden Geschichtsbetrachtung deutlich. Er betont, dass fundierte Vergleiche Zeit und eine umfassende Analyse erfordern – nicht reaktive Gleichsetzungen. Seine Warnungen erinnern daran, wie leicht historische Bezüge in aktuellen politischen Debatten instrumentalisiert werden können.

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