Mozarts Così fan tutte wird in Wiesbaden zum radikalen Live-Experiment über Liebe
Cathrin BlümelMozarts Così fan tutte wird in Wiesbaden zum radikalen Live-Experiment über Liebe
Das Staatstheater Wiesbaden verwandelt Mozarts Così fan tutte in ein kühnes Echtzeit-Experiment über Liebe und Treue. Unter der Regie von Marie-Ève Signeyrole wird die Oper zu einem immersiven Erlebnis, das die Grenzen zwischen Darstellern und Publikum verschwimmen lässt. Karten für die ungewöhnliche Produktion kosten 10 Euro; die Proben für die kommende Spielzeit laufen bereits.
Die Aufführung beginnt, noch bevor das Publikum Platz genommen hat. Schon beim Eintreten werden die Besucher in das Geschehen hinter der Bühne gezogen – umgeben von Kostümen, versteckten Wegen und flüchtigen Blicken. Die übliche Trennung zwischen Bühne und Zuschauern löst sich auf und setzt den Ton für das, was folgt.
Die Bühne selbst ist als Kunstschule gestaltet, das Publikum schlüpft in die Rolle von Studierenden. Don Alfonso, der intrigante Drahtzieher der Oper, leitet das Experiment und lotet die Grenzen von Vertrauen und Hingabe aus. Zwanzig reale Paare zwischen 18 und 35 Jahren nehmen teil – Opernerfahrung ist nicht nötig, doch Mut und Humor sind unverzichtbar.
Signeyroles Vision zwingt die Oper, sich selbst zu hinterfragen. Indem sie alle Fassade fallen lässt, legt sie schonungslos die rohen Wahrheiten über Beziehungen frei: Nähe, Begierde und die Zerbrechlichkeit von Treue. Die Regisseurin will das Publikum verunsichern und dazu bringen, zu fragen, was von der Liebe übrig bleibt, wenn sie auf die Probe gestellt wird.
Der Aufruf zur Teilnahme ist ergangen: Junge Paare sind eingeladen, Teil der Inszenierung zu werden. Ihre Reaktionen, Zögerlichkeiten und Interaktionen werden die Vorstellung prägen und jede Aufführung einzigartig machen.
Dieses neu interpretierte Così fan tutte stellt die traditionelle Oper auf den Kopf, indem es das Publikum zu aktiven Beobachtern eines Live-Experiments über Beziehungen macht. Mit Karten zu 10 Euro bietet die Produktion einen zugänglichen, aber provokanten Blick auf Mozarts Klassiker. Das Ergebnis hängt vom Mut der Paare ab – und davon, ob das Publikum bereit ist, sich mit den unangenehmen Wahrheiten auseinanderzusetzen, die hier auf die Bühne kommen.






