Atomausstieg in Deutschland: Warum die Debatte um Kernkraft neu aufflammt
Aysel MitschkeKernenergie-Debatte: AfD fordert Wiedereinstieg - Starke Gegenwehr im Bundestag - Atomausstieg in Deutschland: Warum die Debatte um Kernkraft neu aufflammt
Die Debatte über den deutschen Atomausstieg ist neu entfacht, nachdem die letzten Kernkraftwerke 2023 vom Netz gingen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete Europas Ablehnung der Atomenergie kürzlich als "strategischen Fehler" – und löste damit Forderungen nach einer Kehrtwende aus. Doch Bundeskanzler Friedrich Merz bleibt hart: Die Entscheidung sei endgültig, trotz wachsendem Druck aus der eigenen Koalition und der Opposition.
Der Atomausstieg wurde nach der Fukushima-Katastrophe 2011 unter der Regierung von Angela Merkel gesetzlich verankert. Mit der Abschaltung der letzten Meiler im vergangenen Jahr fielen 20 Gigawatt klimafreundlicher Stromkapazität weg. Nun sorgen steigende Energiepreise und Versorgungsängste dafür, dass die Kernkraft wieder in den Fokus rückt.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bricht mit der Linie seiner Partei und fordert eine Rücknahme des Ausstiegs. Sein Bundesland setzt auf die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMR), die als sichere, moderne Alternative beworben werden. Die rechtspopulistische AfD geht noch weiter: Ihr Abgeordneter Andreas Bleck wirft Merz vor, die Öffentlichkeit zu täuschen, indem er den Ausstieg als unumkehrbar darstelle. Bleck drängt den Unionsblock, mit der AfD zusammenzuarbeiten, um das Atomgesetz zu ändern und den Ausbau der Kernenergie wiederzubeleben.
Von der Leyens Äußerungen in Boulogne-Billancourt heizten die Diskussion weiter an. Sie kündigte neue EU-Fördergelder für Atomprojekte an und bezeichnete Kernkraft als zentralen Baustein der europäischen Energiezukunft. Merz erkannte zwar ihre Bedenken an, blieb aber bei der deutschen Position.
Die Gegenwehr ist massiv. Die SPD-Abgeordnete Nina Scheer hält eine Renaissance der Atomkraft für unrealistisch – mit Verweis auf Europas Abhängigkeit von russischem Brennstoff und die Dringlichkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien. Der Grünen-Politiker Harald Ebner nennt die Forderungen "irreführend" und verweist auf das ungelöste Problem der Endlagerung. Janine Wissler von der Linken spottet gar über eine "Zombie-Atomkraft", die angesichts der hohen Stromgestehungskosten längst überholt sei.
Die Kontroverse stellt Deutschland vor eine Richtungsentscheidung. Während Bayern mit seinen SMR-Plänen und die AfD mit juristischem Druck die Regierung herausfordern, blockiert diese jede Neubewertung. Doch der Druck auf Merz wächst: Selbst Teile der FDP und der Union fordern inzwischen eine Überprüfung. Vorerst aber bleibt der Atomausstieg bestehen – trotz aller Rufe nach einem Kurswechsel.






