23 May 2026, 20:24

Bergkirchweih in Erlangen: Warum Partyhits jetzt als sexistisch gelten

Ich bin der Herr von Erlangen, euer Nachbar vom Land

Bergkirchweih in Erlangen: Warum Partyhits jetzt als sexistisch gelten

Erlangens Bergkirchweih unter Beschuss: Streit um „sexistische“ Partyhits

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Das Erlanger Bergkirchweih-Volksfest, das jährlich fast eine Million Besucher anlockt, steht wegen seiner Musikauswahl in der Kritik. Die Stadtverwaltung hat mehrere bekannte Partylieder verboten und sie als sexistisch oder frauenfeindlich eingestuft. Den Anstoß gab eine Beschwerde einer Frau, die im vergangenen Jahr unerwünschte Annäherungen erlebt und sich durch die gespielten Songtexte belästigt gefühlt hatte.

Auslöser war eine Festivalbesucherin, die sich nach dem Event an die Nürnberger Nachrichten wandte. Sie berichtete von aggressiven Männern, die sie bedrängt hätten, und kritisierte zudem die gespielten Lieder, die ihrer Meinung nach zu einer unwillkommenen Atmosphäre beitrugen. Daraufhin prüften die Gleichstellungsbeauftragten Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck eine Liste „problematischer Partyhits“, darunter Titel wie Skandal im Sperrbezirk sowie Stücke von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel.

Der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – hatte bereits 2021 eine Resolution gegen Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ verabschiedet. Nun reagieren Wirte skeptisch auf den neuen Index und fragen sich, ob die Einschränkungen die lebendige Stimmung des Festes dämpfen werden. Manche spotten bereits mit dem Spruch: „Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar!“

Auch Musiker wehren sich. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Situation mit der DDR und merkte an, selbst die SED habe seiner Band nie Lyrik-Zensur auferlegt. Peter Wackel, dessen Hit Joana mit der Zeile „Du geile Sau“ als bedenklich gilt, sagte, immer mehr Künstler hätten wegen der wachsenden Restriktionen keine Lust mehr, in Deutschland aufzutreten.

Das Verbot bestimmter Partyhymnen gilt nun für die diesjährige Bergkirchweih. Festivalveranstalter und Wirte müssen ihre Playlists anpassen, während die Künstler weiterhin ihren Unmut äußern. Die Entscheidung spiegelt die größere Debatte wider, wie sich Tradition und moderne gesellschaftliche Standards bei öffentlichen Veranstaltungen in Einklang bringen lassen.

Quelle