12 March 2026, 18:26

Chiemsee vor historischer Bürgermeister-Neuwahl nach überraschendem Patt

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung einer kleinen Stadt in einem Tal, umgeben von Bäumen und Hügeln, mit dem Text "Bayern, Deutschland, 1857" oben.

Bürgermeister verfehlt Mehrheit - Chiemsee muss erneut wählen - Chiemsee vor historischer Bürgermeister-Neuwahl nach überraschendem Patt

Chiemsee, Bayerns kleinste Gemeinde, muss Bürgermeisterwahl wiederholen

Nach dem scheidenden Amtsinhaber Armin Krämmer die absolute Mehrheit verfehlte, steht im bayerischen Chiemsee eine Neuwahl des Bürgermeisters an. Die ungewöhnliche Entscheidung fällt trotz harmonischen Zusammenlebens in der engen Inselgemeinschaft, in der über die Hälfte der Wähler stattdessen eigene Kandidaten auf den Stimmzettel schrieb.

Die Überraschung perfekt machte Krämmer selbst: Als einziger offizieller Bewerber erhielt er weniger als 50 Prozent der Stimmen. Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten entschied sich für alternative Namen – darunter der langjährige Gemeinderat Michael Lanzinger, der immerhin 21,5 Prozent der Stimmen auf sich vereinte. Lanzinger lehnte jedoch eine Stichwahl gegen Krämmer ab, sodass die Wahl unentschieden blieb.

Die nun unvermeidliche Wiederholungswahl ist ein Novum für den Landkreis Rosenheim. Die Gemeinde mit rund 170 Einwohnern auf drei Inseln stand bisher noch nie vor einer solchen Situation, auch wenn freie Kandidatennennungen in kleinen bayerischen Gemeinden nicht ungewöhnlich sind. Vergleichbare Fälle gab es etwa 2023 in Hiltpoltstein, wo ein Bewerber eine Stichwahl ablehnte – ein Phänomen, das in der Region vereinzelt auftritt.

Ein neuer Wahltermin, voraussichtlich im Juni, wird von den lokalen Behörden festgelegt. Die Verzögerung spiegelt die außergewöhnliche Lage wider, denn die eng verbundene Bevölkerung Chiemsees – bestehend aus Nonnen, Fischern und Beschäftigten im Tourismus – pflegt traditionell einen konfliktfreien Umgang mit Politik.

In Bayerns kleinen Gemeinden herrschen normalerweise stabile Wahlmuster, wobei die CSU oft durch persönliche Netzwerke dominiert. Doch aktuelle Trends zeigen eine wachsende Unterstützung für unabhängige Kandidaten und Stichwahlen – wie auch Krämmer mit seinen 47,7 Prozent der Stimmen erlebte.

Die Neuwahl wird über Chiemsees nächsten Bürgermeister entscheiden, doch ein klarer Favorit zeichnet sich noch nicht ab. Das Ergebnis unterstreicht den Wandel in Bayerns kleinsten Gemeinden, wo freie Kandidatennennungen und Stichwahlen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ein Wahltermin im Juni gilt als wahrscheinlich und gibt den Einwohnern Zeit, ihre Entscheidung zu überdenken.

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