Deutsches Gesundheitssystem in der Krise: Sind wir auf den Ernstfall vorbereitet?
Cathrin BlümelDeutsches Gesundheitssystem in der Krise: Sind wir auf den Ernstfall vorbereitet?
Wie widerstandsfähig ist das deutsche Gesundheitssystem in Kriegs- oder Krisenzeiten? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 142. Chirurgiekongresses in München, wo sich militärische und zivile Medizinexperten austauschten, wie Krankenhäuser unter extremem Druck funktionieren könnten. Ein zentrales Problem: der Mangel an spezialisiertem Personal und Material für Massenanfälle von Verletzten.
Auf der Veranstaltung trafen führende Vertreter der Bundeswehr und der zivilen Gesundheitsversorgung zusammen. Generalstabsarzt Dr. Johannes Backus betonte, dass im Ernstfall die Krankenhäuser den Großteil der medizinischen Versorgung tragen müssten. Er forderte eine engere Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Medizinteams, um große Zahlen von Verletzten effektiv behandeln zu können.
Professor Dr. Dietmar Pennig warnte, das aktuelle System verfüge nicht über genug Fachärzte, Pflegekräfte und kritische Ressourcen für Szenarien mit hohem Verletztenaufkommen. Ein Gesundheitsmodell, das allein auf wirtschaftliche Effizienz setze – ohne Pufferkapazitäten –, werde in der Krise versagen, so Pennig. Beide Experten waren sich einig: Reserven sind unverzichtbar, um auch in Ausnahmesituationen eine hochwertige Versorgung zu gewährleisten.
Die Teilnehmer hoben zudem die Notwendigkeit gemeinsamer Planung und regelmäßiger Übungen zwischen zivilen und militärischen Akteuren hervor. Realistische Notfallsimulationen gelten als entscheidend, um die Einsatzbereitschaft des Systems zu testen und zu stärken.
Das Fazit des Kongresses: Deutschlands Gesundheitssystem muss seine Krisenresilienz ausbauen. Militärmedizinische Expertise und zivile Infrastruktur müssen enger verzahnt werden, um auf großflächige Notlagen vorbereitet zu sein. Ohne zusätzliche Reserven und abgestimmte Planungen droht das System in einem schweren Konflikt oder einer Katastrophe überlastet zu werden.






