Deutschland schaltet letzten Reaktor ab – das Atomzeitalter ist vorbei
Hermann KreuselDeutschland schaltet letzten Reaktor ab – das Atomzeitalter ist vorbei
Deutschland hat mit der Abschaltung seines letzten Reaktors, Isar 2, am 15. April 2023 offiziell das Ende des Atomzeitalters eingeläutet. Der Schritt folgt einem langfristig geplanten Ausstieg aus der Kernenergie, der durch vergangene Unfälle und die Hinwendung zu erneuerbaren Energien vorangetrieben wurde. Gleichzeitig arbeitet das Land daran, bis 2038 auch die Kohleverstromung zu beenden.
Die Entscheidung zum Atomausstieg fiel nach den schweren Reaktorunglücken in Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima. Diese Katastrophen prägten die deutsche Energiepolitik und führten seit 2021 zur schrittweisen Stilllegung aller Atomkraftwerke. Der Rückbau der Anlagen umfasst die Beseitigung radioaktiver Kontamination sowie die Demontage sämtlicher Bauteile. Schließlich werden Roboter die gefährlichsten Komponenten – etwa das Reaktordruckgefäß – unter Wasser zerlegen.
Noch im Jahr 2010 erzeugten Atom- und Kohlekraftwerke gemeinsam mehr als die Hälfte des deutschen Stroms. Nun will das Land diesen Anteil bis 2038 vollständig durch erneuerbare Energien ersetzen. Dazu gehört auch der Ausstieg aus der besonders umweltschädlichen Braunkohle im selben Zeitraum. Das Endziel besteht darin, die ehemaligen Kraftwerksstandorte der Natur zurückzugeben und dort, wo einst die Anlagen standen, eine „grüne Wiese“ zu hinterlassen – wie es die Verantwortlichen nennen.
Mit dem Ende der Atomkraft und dem geplanten Kohleausstieg setzt Deutschland auf Wind- und Solarenergie, um seinen künftigen Bedarf zu decken. Die Abschaltung von Isar 2 markiert den Abschluss einer Ära, während der Kohleausstieg und der Ausbau der Erneuerbaren weiter voranschreiten. Gelingt der Wandel, wird die deutsche Energielandschaft bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts völlig anders aussehen.






