07 June 2026, 20:23

Frontmann von Weissglut nach altem Junge-Freiheit-Interview gefeuert

Wie die JUNGE FREIHEIT kulturelle Kämpfe prägte

Frontmann von Weissglut nach altem Junge-Freiheit-Interview gefeuert

Ein jahrzehntealtes Interview ist wieder aufgetaucht und hat zur Entlassung eines deutschen Musikers geführt, der mit umstrittenen politischen Ansichten in Verbindung gebracht wird. Josef Maria Klumb, Frontmann der Band Weissglut, wurde gefeuert, nachdem ein Gespräch aus dem Jahr 1996 mit der Jungen Freiheit – einer Zeitung mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene – bekannt geworden war. Der Fall entfacht erneut die Debatte über das Spannungsfeld zwischen Musik, Politik und historischer Erinnerung in Deutschland.

1996 hatte Klumb der Jungen Freiheit, einem Blatt, das häufig wegen seiner rechtsextremen Tendenzen kritisiert wird, ein Interview gegeben. Darin bekundete er seinen Glauben an die „geistige Kultur dieser entweihten Nation“ und argumentierte, diese dürfe „nicht länger unterdrückt werden“. Das Gespräch blieb lange unbeachtet – bis es kürzlich wiederentdeckt wurde und prompt zu einer schnellen Reaktion des Weissglut-Labels führte, einer Tochtergesellschaft von Sony. Die Band entfernte Klumb umgehend aus der Besetzung.

Die Zeitung selbst hatte früher bereits mit amüsierter Distanz auf Kontroversen reagiert, etwa 2004, als der Song Wir sind wir von Paul van Dyk und Peter Heppner für Aufsehen sorgte. Linke Kritiker warfen dem Stück historische Amnesie und gefährliche Mehrdeutigkeit vor, während die Junge Freiheit den vollständigen Text abdruckte – und die Debatte scheinbar genoss.

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Verbindungen zur rechtsextremen Szene in der Musik haben immer wieder für Gegenwind gesorgt. 2013 etwa sah sich die Band Frei.Wild mit Boykottaufrufen bei den Echo Awards konfrontiert, nachdem ihre Texte regionale Identität feierten und die rechtsextreme Vergangenheit ihres Frontmanns bekannt wurde. Der Sozialwissenschaftler Alfred Schobert bezeichnete Klumb nach dem Interview als „Nazi“, warnte jedoch zugleich vor einer inflationären Verwendung des Begriffs. Der Junge-Freiheit-Autor Martin Lichtmesz hingegen argumentierte, die mediale Prüfung der Frei.Wild-Texte stärke nur rechtsextreme Narrative, indem Patriotismus dämonisiert werde.

Sogar Mainstream-Acts wie Rammstein wurden von dem Blatt analysiert. Der Autor Thorsten Hinz nannte die Band ein „Symptom eines ästhetischen Paradigmenwechsels“ und verwies auf die Verwendung von Leni Riefenstahls Olympia-Aufnahmen in ihren Videos. Zugleich bezeichnete er ihre Provokationen 1997 jedoch als abgedroschenes Schema.

Klumbs Rauswurf ist ein weiterer Fall, in dem sich die deutsche Musikszene mit ihren politischen Untertönen auseinandersetzt. Die Folgen zeigen die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischem Ausdruck, historischer Verantwortung und dem nachwirkenden Einfluss der extremen Rechten. Weissglut wird vorerst ohne ihn weitermachen, während die Debatte über Ideologie in der Musik weitergeht.

Quelle