Glasfaserausbau in Deutschland: Warum der Kupferabschied stockt und was jetzt passiert
Aysel MitschkeGlasfaserausbau in Deutschland: Warum der Kupferabschied stockt und was jetzt passiert
Deutschlands Vorstoß zum Ersatz alter Kupfernetze durch Glasfaser gewinnt an politischem Schwung. Mit neuen Vorschriften des Bundesdigitalministeriums soll der Prozess beschleunigt werden – unter anderem durch klarere Fristen für die Abschaltung der Kupferleitungen. Doch trotz Fortschritten bleiben Herausforderungen, insbesondere beim Ausbau der Glasfaser bis in die einzelnen Wohnungen und Häuser.
Die Branche fordert nun eine engere Zusammenarbeit zwischen Regulierungsbehörden, Telekommunikationsriesen wie der Telekom und Vodafone sowie Netzbetreibern, um Verzögerungen zu vermeiden und einen reibungslosen Übergang für die Kunden zu gewährleisten.
Anfang März 2026 legte das Ministerium einen Entwurf für die Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG-Novelle) vor, der der Bundesnetzagentur mehr Befugnisse einräumt, um die strukturierte Umstellung von Kupfer auf Glasfaser durchzusetzen. Die Regeln verpflichten die Telekom als marktbeherrschendes Unternehmen, einen transparenten Abschaltplan vorzulegen, der gleichzeitig die Glasfaserausbau-Bemühungen der Wettbewerber berücksichtigt. Dieser Schritt steht im Einklang mit den EU-Zeitplänen und wird von Verbänden wie VATM und BREKO begrüßt – auch wenn sie auf faire Wettbewerbsregeln pochen.
Doch der Wechsel von Kupfer zu Glasfaser stößt auf praktische Hindernisse, vor allem in älteren Gebäuden. Die Verlegung von Glasfaserkabeln durch historische Treppenhäuser und bestehende Leitungsinfrastrukturen erweist sich als komplex und bremst den Ausbau von FTTH-Anschlüssen (Fiber to the Home). Patrick Helmes, seit 2025 gewählter Präsident des Bundesverbandes Glasfasernetze (Buglas), betont die Dringlichkeit, den Innenausbau voranzutreiben – ohne dabei die Nutzer zu beeinträchtigen.
Eine aktuelle Studie von Buglas und Professor Böcker zeigt, dass Glasfasernetze Kupfer- und Kabelnetze in puncto Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz übertreffen. Dennoch bleibt das Kabelnetz ein Konkurrent, während die Branche mit Preisanpassungen und Bürokratieabbau versucht, Kundenabwanderungen zu verhindern. Das Ministerium hat zudem eine Werbekampagne gestartet, um die Glasfaser-Akzeptanz zu fördern. Experten fordern jedoch mehr politische Unterstützung, um langfristige Investitionen zu rechtfertigen – besonders da die Erträge aus dem Glasfaserausbau oft hinter den hohen Anfangskosten zurückbleiben.
Seit September 2024 hat die Mitgliedschaft der Deutschen Telekom im Buglas den Verband neu geprägt: Einige Unternehmen traten aus, andere stießen hinzu. Die Branche konzentriert sich nun darauf, schnelles Wachstum mit stabilen Geschäftsmodellen in Einklang zu bringen. Verzögerungen beim Glasfaserausbau könnten sonst die Abhängigkeit von veralteter Infrastruktur verlängern.
Der neue regulatorische Rahmen gibt Deutschland einen klareren Fahrplan für die Abschaltung der Kupfernetze vor – mit Fristen, die voraussichtlich bis 2026 an die EU-Ziele angepasst werden. Doch der Erfolg hängt davon ab, ob technische Hürden bei der Gebäudeverkabelung überwunden werden und ob die politische sowie finanzielle Unterstützung langfristig gesichert ist. Ohne diese Risiken könnte der Umstieg auf flächendeckende Glasfasernetze weitere Rückschläge erleiden – und Verbraucher wie Unternehmen auf weniger leistungsfähige Alternativen zurückwerfen.






