14 March 2026, 18:30

Jürgen Habermas stirbt mit 96 – ein Denker prägte die Demokratie

Porträt von Hermann Boerhaave, einem deutschen Philosophen, mit Text am unteren Bildrand.

Steinmeier und Merz ehren verstorbenen Philosophen Habermas - Jürgen Habermas stirbt mit 96 – ein Denker prägte die Demokratie

Jürgen Habermas, Deutschlands einflussreichster zeitgenössischer Philosoph, ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Sein Tod am Samstag in Starnberg löste Würdigungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz aus, die beide seinen tiefgreifenden Einfluss auf das politische Denken und die öffentliche Debatte betonten.

International gefeiert für seine scharfsinnige Kritik an der Moderne und sein lebenslanges Eintreten für den demokratischen Diskurs, prägte Habermas wie kaum ein anderer die geistige Landschaft der Nachkriegszeit.

Der 1929 geborene Habermas wurde zu einer prägenden Intellektuellenfigur des wiedererstarkten Deutschlands. Sein Werk umfasste Philosophie, Soziologie und politische Theorie und formte Generationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Kanzler Merz bezeichnete ihn als "einen der bedeutendsten Denker unserer Zeit" und hob hervor, wie seine Ideen Weitsicht mit einem tiefen Geschichtsbewusstsein verbanden.

Über Jahrzehnte hinweg griff Habermas leidenschaftlich in politische Debatten ein. Er verurteilte den Irakkrieg 2003 als völkerrechtswidrig und kritisierte später die demokratischen Defizite der Europäischen Union während der Eurokrise. In Deutschland stellte er sich dem Aufstieg von Nationalismus und Populismus entgegen – insbesondere der rechtsextremen AfD. Zuletzt warnte er vor Cancel Culture und Identitätspolitik, die er als Bedrohung für die rationale Auseinandersetzung sah.

Bundespräsident Steinmeier nannte Habermas einen "großen Aufklärer", der die Widersprüche des modernen Lebens erforscht habe. Bis zu seinem Tod blieb Habermas im Dialog mit Steinmeier und äußerte dabei Sorgen über die politische Entwicklung Deutschlands und Europas. Der Bundespräsident betonte, das Land schulde ihm eine "unermessliche Dankesschuld" und müsse sein Erbe der offenen, vernunftgeleiteten Debatte weitertragen.

Auch Merz lobte Habermas' Fähigkeit, herauszufordern und zu inspirieren. Seine Stimme, so Merz, habe Maßstäbe für intellektuelle Strenge gesetzt und andere dazu angeregt, tiefer über Demokratie und Gesellschaft nachzudenken.

Habermas hinterlässt ein Vermächtnis unermüdlichen geistigen Engagements. Seine Analysen zu Macht, Demokratie und öffentlichem Diskurs wirkten nicht nur in der Wissenschaft, sondern prägten auch politische Bewegungen in ganz Europa. Die Aufgabe, seine Ideen zu bewahren und den Ansprüchen gerecht zu werden, die er an die demokratische Debatte stellte, liegt nun bei den kommenden Generationen.

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