23 March 2026, 18:34

Kratzers radikale Opern-Revolution an der Hamburger Staatsoper beginnt

Illuminierte Handschrift mit einer Darstellung des Sturzes der rebellischen Engel in einer Kirche, mit leuchtenden Farben und detaillierten Verzierungen.

Kratzers radikale Opern-Revolution an der Hamburger Staatsoper beginnt

Die Hamburger Staatsoper präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri unter ihrem neuen Intendanten Tobias Kratzer

Mit der Premiere Anfang 2026 bricht die Hamburger Staatsoper unter der künstlerischen Leitung des neu berufenen Regisseurs Tobias Kratzer mit theatralischen Konventionen. Seine Inszenierung von Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri verbindet die romantische Vorlage mit drastischen zeitgenössischen Themen – und verwischt dabei bewusst die Grenzen zwischen Bühne und Realität.

Kratzer sprengt in seiner Regie die klassische "vierte Wand" komplett: So kletterte die Sopranistin Vera-Lotte Boecker in der Rolle der Peri während der Aufführung über die Zuschauerreihen, um sich zu einer weinenden Besucherin zu setzen. Kameras fingen zudem die Reaktionen des Publikums ein und projizierten sie live auf Leinwände – die Zuschauer wurden so selbst Teil der Handlung.

Die Inszenierung deutet Schumanns sterbenden Jüngling als schwarzen Mann, der sich einem weißen Anführer widersetzet – eine klare Parallele zu heutigen Machtkonflikten. Kratzer besetzte die verfeindeten Lager mit Laien aus Hamburgs Straßen, deren Kampf von einer weißen Figur angeheizt wird, ein unverhohlener Verweis auf aktuelle gesellschaftliche Spannungen. Der dritte Akt thematisiert explizit die Klimakrise und verwebt ökologische Dringlichkeit mit Schumanns Musik des 19. Jahrhunderts.

Musikalisch leitete Omer Meir Wellber, der neue Generalmusikdirektor der Oper, die Philharmoniker Hamburg durch die Premiere. Während das Publikum begeistert reagierte, spaltete Kratzers radikaler Ansatz die Meinungen. Das Programm der Spielzeit umfasst zudem Uraufführungen wie Monster's Paradise, eine Zusammenarbeit der Komponistin Olga Neuwirth mit der Schriftstellerin Elfriede Jelinek.

Kratzer hat deutlich gemacht, dass er das Haus neu positionieren will: Die Staatsoper soll zugänglicher werden und die Vielfalt Hamburgs widerspiegeln – jenseits klassischer Opernkonventionen. Die Premiere markiert den Beginn einer neuen Ära, in der Kratzers gesellschaftspolitisch engagierte Vision die Richtung vorgibt. Seine Inszenierung verbindet klassische Musik mit brennenden Gegenwartsthemen, während Wellbers künstlerische Leitung einen frischen musikalischen Kurs einläutet. Ob dieser Mix aus Innovation und Aktivismus ein breiteres Publikum überzeugt, wird sich in den kommenden Aufführungen zeigen.

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