NGOs fordern 2,8 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe – und warnen vor Kürzungen bis 2027
Aysel MitschkeNGOs fordern 2,8 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe – und warnen vor Kürzungen bis 2027
Zwei führende Nichtregierungsorganisationen haben die deutsche Bundesregierung aufgefordert, die Mittel für humanitäre Hilfe im nächsten Bundeshaushalt von einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro aufzustocken. Welthungerhilfe und Terre des Hommes stellten am Mittwoch ihre jährliche Bewertung der deutschen Entwicklungspolitik vor und wiesen dabei auf den wachsenden Druck durch globale Krisen, Kriege und den Klimawandel hin.
Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, und Joshua Hofert, Generalsekretär von Terre des Hommes, präsentierten ihre Erkenntnisse in einem gemeinsamen Bericht. Sie begrüßten zwar die jüngsten Bemühungen, die Entwicklungspolitik neu auszurichten, warnten jedoch, dass den Reformplänen eine klare Strategie fehle und die Zivilgesellschaft in Deutschland wie in den Partnerländern stärker einbezogen werden müsse.
Seit 2022 hat die Bundesregierung den Etat für Entwicklungszusammenarbeit um ein Drittel gekürzt, und bis 2027 sind weitere Kürzungen zu erwarten. Mogge betonte die Notwendigkeit, die humanitäre Hilfe auszubauen und präventive Maßnahmen zu stärken, statt nur auf Krisen zu reagieren. Zudem müsse die Reform darauf abzielen, die Qualität der Hilfe zu verbessern, Bürokratie abzubauen und zivilgesellschaftlichen Organisationen mehr Eigenständigkeit zu gewähren.
Der Bericht unterstrich, dass Hilfe bedarfsorientiert, neutral und unabhängig bleiben müsse – und nicht an Sicherheits-, Migrations- oder geopolitische Interessen geknüpft werden dürfe. Hofert ergänzte, dass die Reform kein von Berlin gesteuertes Top-down-Projekt sein dürfe, sondern von Anfang an Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen einbeziehen müsse.
Die NGOs forderten einen inklusiveren und strategischeren Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit. Sie argumentieren, dass wirtschaftliche Kooperation nur dann gelingen könne, wenn sie sich an lokalen Akteuren orientiere und die Interessen Deutschlands mit denen der Partnerländer in Einklang bringe. Der Bericht macht deutlich, dass dringend höhere Mittel und strukturelle Reformen nötig sind, um den wachsenden globalen Herausforderungen zu begegnen.
