Streit um Apothekenreform: Ärzte und Apotheker liefern sich harte Wortgefechte
Aysel MitschkeStreit um Apothekenreform: Ärzte und Apotheker liefern sich harte Wortgefechte
Die Spannungen zwischen deutschen Apothekern und Ärzten haben sich wegen neuer Gesundheitsreformen verschärft. Im Mittelpunkt des Streits stehen das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) und die Rolle der Apotheker in der Patientenversorgung. Die Apothekerin Marietheres Reher-Gremme hat jüngste Äußerungen des KBV-Vorsitzenden Dr. Andreas Gassen scharf kritisiert.
Gassen hatte argumentiert, eine Ausweitung von Impfungen in Apotheken könnte zu unqualifizierten Tests durch nicht-ärztliches Personal führen. Zudem warf er dem Bundesgesundheitsministerium vor, Apotheken durch höhere Festbeträge zu bevorzugen, während Arztpraxen vernachlässigt würden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) lehnt das ApoVWG zudem ab und warnt, es könnte nicht evidenzbasierte Praktiken fördern.
Reher-Gremme konterte, Gassens Aussagen seien arrogant und realitätsfremd. Sie betonte, Apotheker durchliefen eine fundierte Ausbildung in Pharmakologie und klinischer Pharmazie – essenziell für die Arzneimittelsicherheit. Zudem verwies sie darauf, dass Apotheken während der Pandemie problemlos Grippe- und COVID-19-Impfungen durchgeführt hätten.
Bedenken wegen eines übermäßigen Antibiotikaeinsatzes wies Reher-Gremme zurück: Apotheker seien sich der Resistenzgefahren vollauf bewusst. Sie plädierte für einen offenen Dialog und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern, um das Gesundheitssystem zu stärken. Viele Mediziner, so Reher-Gremme, schätzten die Vorteile der Kooperation mit Apothekern bereits.
Die Debatte spiegelt grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über die Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen wider. Während Apotheker auf ihre Qualifikation und ihre sichere Bilanz verweisen, warnt die KBV vor Kontrollverlust und Finanzierungsproblemen. Wie die geplante Gesetzgebung ausgehen wird, bleibt vorerst ungewiss.






