Wie Berlins Clubkultur aus dem Chaos nach 1989 zur Legende wurde
Berlins Techno-Szene entstand im Chaos nach dem Mauerfall 1989. Verlassene Gebäude wurden zum Zentrum einer neuen Bewegung – Clubs wie das Tresor eröffneten in ehemaligen Kraftwerken. Über drei Jahrzehnte später prägt die Clubkultur der Stadt nach wie vor ihr Gesicht. Gefeiert wird dies nun beim anstehenden Tag der Clubkultur, einem Festival vom 3. bis 12. Oktober.
Die Wurzeln der Berliner Techno-Szene reichen bis in die frühen 1990er-Jahre zurück, als Kreuzberg zum Epizentrum illegaler Raves wurde. Das Tresor eröffnete 1991 in einem stillgelegten Heizkraftwerk und avancierte zur Legende. In der Nähe prägten besetzte Häuser und alternative Räume in Prenzlauer Berg mit illegalen Partys den rebellischen Geist der Stadt. In den 2000er-Jahren gewann Neukölln an Fahrt – mit selbstorganisierten Events und temporären Orten wie dem Kater Blau, das 2007 seine Türen öffnete. Später gesellte sich Wedding hinzu, etwa mit industriell geprägten Locations wie dem Festsaal Kreuzberg, während sich die Szene vom Underground zum etablierten – wenn auch weiterhin provokanten – Teil des Berliner Lebens wandelte.
Der Tag der Clubkultur, organisiert von der Clubkommission Berlin, präsentiert diese Geschichte in über 100 Veranstaltungen. Den Auftakt macht am 2. Oktober das Haus der Visionäre mit einer Kooperation zwischen Club der Visionäre und dem CTM-Festival. Am 4. Oktober folgt im Tipsy Bear in Prenzlauer Berg eine Drag-Show. Mark Reeders Dokumentarfilm B-Movie, der den Techno-Boom nach dem Mauerfall einfängt, wird am 3. Oktober im Rahmen des Festivals gezeigt. Über Partys hinaus beleuchtet das Programm die gesellschaftliche und politische Dimension der Clubkultur – von ihren anarchischen Anfängen bis zu heutigen Herausforderungen wie Gentrifizierung.
Weitere Informationen, darunter das vollständige Programm, gibt es auf der Festival-Website: tagderclubkultur.berlin.
Zehn Tage lang verbindet das Festival Berlins ikonische Clubs mit weniger bekannten Alternativorten. Es zeigt, wie eine Bewegung, die in verlassenen Gebäuden entstand, zu einer kulturellen Institution heranwuchs. Für viele sind die Veranstaltungen zugleich Feier und Erinnerung an den anhaltenden Einfluss der Szene auf die Stadt.






