"Worüber Jüdinnen und Juden sprechen": Ein Buch bricht mit Klischees über jüdisches Leben
Hermann Kreusel"Worüber Jüdinnen und Juden sprechen": Ein Buch bricht mit Klischees über jüdisches Leben
Ein neues Buch bietet einen seltenen Einblick in den Alltag jüdischer Menschen in Deutschland. "Worüber Jüdinnen und Juden sprechen: Zehn Gespräche aus Deutschland" versammelt acht Stimmen in zehn offenen Dialogen. Die Sammlung stellt die oft eingeschränkte Wahrnehmung jüdischer Erfahrungen in der öffentlichen Debatte infrage.
Das Buch ist eine Zusammenarbeit zwischen Joshua Schultheis und Mascha Malburg. Schultheis, politischer Redakteur bei der "Jüdischen Allgemeinen", und Malburg, eine Expertin für das Werk Hannah Arendts, haben Gespräche mit einer vielfältigen Gruppe geführt. Ihre Hintergründe könnten unterschiedlicher nicht sein: Manche sind aus der Ukraine oder Russland eingewandert, andere leben seit Generationen in Deutschland, wieder andere zogen von New York oder Tel Aviv nach Berlin. Unter den Teilnehmenden finden sich aschkenasische und sephardisch-mizrachische Jüdinnen und Juden, queere Personen sowie Menschen mit väterlicherseits jüdischer Herkunft.
Die Dialoge werden moderiert von Dinah Riese, Leiterin des Inlandsressorts auf ihrer Website. Das Buch will über die typischen Anlässe hinausgehen, bei denen jüdische Menschen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden – oft nur im Zusammenhang mit der Erinnerung an NS-Verbrechen oder Konflikten im Nahen Osten. Stattdessen rückt es ihre Alltagsrealitäten, Sorgen und Perspektiven in den Mittelpunkt.
Erschienen im Hentrich & Hentrich Verlag, argumentiert das Werk, dass ein Verständnis jüdischen Lebens in Deutschland das Zuhören ihrer eigenen Stimmen erfordert. Die Gespräche behandeln ein breites Themenspektrum und zeichnen so ein vielschichtigeres Bild als die üblichen, eng gefassten Erzählungen.
Das Buch gibt jüdischen Menschen eine Plattform, um direkt über ihr Leben zu sprechen. Durch die Einbeziehung so unterschiedlicher Erfahrungen stellt es Klischees infrage und erweitert den öffentlichen Blick auf die jüdischen Gemeinschaften in Deutschland. Die Dialoge dienen als Ausgangspunkt für ein tieferes Verständnis jenseits der gewohnten Schlagzeilen.






